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Halten dürfen meint nicht halten können

Ist er nicht süß? Foto: Ulla Thomas/ pixelio.de

So schlimm war es am Ende dann doch nicht: Aber ich bin wieder einmal von einem Hund gebissen worden. Alle dürfen gerne lachen. Und zu Eurer Versicherung: Ich habe kein rotes Tuch gewedelt, hab’ den Hund nicht mit Dreck beworfen, habe keine Faxen veranstaltet, hab’ ihn noch nicht einmal angesprochen.

 

Mit dem Rad bin ich durch Haverslohe gefahren, die Sonne hatte gerade ihre Kraft verloren. Drei kleinere Kinder spielten noch auf der Straße, der Hund zwischen ihnen. Nun kam er zielstrebig auf mich zu, ließ mich mit dem Rad kurz an ihm vorbeiziehen, dann biss er zu. Knapp oberhalb vom linken Knöchel. Ich schrie den Hund an, nach ein paar Metern hielt ich an, um das Ergebnis einzuordnen. Na gut, ein wenig Geifer an der Hose und ein dezentes Jucken oberhalb des Knöchels. Das war’s! War doch nicht so schlimm. Stimmt

Dennoch glaube ich, dass diese/r Besitzer/in nicht in der Lage ist, einen Hund zu halten. In einem anderen Fall wäre es möglicherweise zu einem Sturz gekommen, ein paar Wochen früher im Jahr hätte ich noch eine kurze Hose getragen oder, oder, oder. Was also tun?

Nichts habe ich unternommen. War doch nicht so schlimm. Aber die Erinnerungen gehen mir nicht aus dem Kopf. Im Haus meines Opas lebten eine Zeit lang zwei ausgewachsene Doggen, die genau so viel Lust auf meine Spaghetti Bolognese hatten wie ich. Zwei riesengroße Hundsköpfe über meinen Nudeln.

Ein äußerst angriffslustiger Boxer versperrte mir über eine Stunde lang den Weg. Wenn ich mich bewegte, wurde sehr deutlich, was ich von ihm erwarten durfte. Also blieb ich stehen. Erst als die Langeweile oder der Drang, einen Topf voller Futter in Beschlag zu nehmen, das Tier überkam, ließ er locker und verschwand. Mir war inzwischen kalt geworden an diesem Wintertag.

Die Zähne des kleinen Rauhaardackels fanden genau meine Achillesferse. Ich hatte das Tier schon auf mich zugeschossen gesehen und hatte gehofft, dass alles gut ausgehen würde. Nein. Von hinten zugebissen. Ein Herrchen oder Damchen weit und breit nicht in Sicht.

Vor einigen Wochen hatte ich Glück, dass der Besitzers eines Bernhardiners gerade noch rechtzeitig an der Leine zog. Der Hundskopf, weltall-groß direkt vor meinen Augen, hatte es auf mich abgesehen.

Hundebesitzer, beruhigt Euch. Ich weiß natürlich, dass Hunde nur Revier oder ihr Rudel verteidigen wollen. Oder dass sie spüren, dass ich nicht auf Anhieb herzliche Freundschaft mit ihnen schließen will. Hund sind manchmal so. Natürlich ist alles im Grunde halb so schlimm. Alles liegt in der Natur der Dinge. Instinkt eben, das muss ich schon verstehen.

Na gut. Der Hund ist übrigens das einzige Tier, dass ich als Haustier, als Tier eines Halters, akzeptiere. Nicht immer. Aber in der Mehrzahl. Alle anderen Tiere, von der Mücke bis zum Krokodil, sind im Haus eher unpassend aufgehoben. Schon deshalb, weil ich glaube, dass etwa 54.000 Kubikzentimeter Luft, umrahmt von Gitterstangen, nicht der natürliche Lebensraum eines Kanarienvogels sind.

Und nun würde aber doch ich gerne wissen, wieso manche Hundehalter einen Hund halten dürfen, wenn sie ihn doch nicht halten können?


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