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Diesel, du musst draußen bleiben!

Kommt das Fahrverbot für Diesel-Fahrzeuge auch in NRW? Foto: Royalty-free

In Stuttgart hat das Verwaltungsgericht einer Klage der Deutschen Umwelthilfe (DUH) Recht gegeben und ein rasches Fahrverbot für Diesel-Pkws gefordert. Allein Diesel-Fahrverbote seien ein wirksamer Schutz gegen eine gesundheitsschädliche Stickoxid-Belastung. Saubere Luft – wie das in Ballungsräumen zu erreichen ist, darüber streiten sich die Geister. Spätestens nach dem Regierungswechsel in Nordrhein-Westfalen. Eine persönliche Betrachtung. (Stand 1. August 2017)

Der Text erschien im Extra-Tipp Viersen am 30. Juli 2017.

 

Kreis Viersen. Erst lässt mein Autohersteller mich im Glauben, meine Abgaswerte seien völlig in Ordnung, dann kommt der ganze Schummel heraus, und jetzt soll ich die Rechnung dafür zahlen, dass ich mit meinem relativ jungen Auto (Zulassung 2013) nicht überall dahin fahren darf, wo ich hin will. In die Innenstädte beispielsweise. Oder nach Stuttgart. Vor vier Jahren hab ich noch eine große Stange Geld auf den Tisch gelegt, heute will kaum jemand mein Auto gegen Euro, schon gar nicht gegen einen Benziner eintauschen. „Was soll ich denn mit einem Diesel? Den werde ich ja nie wieder quitt“, sagte mir ein Gebrauchtwagenhändler

Ein Szenario nimmt bedrohliche Wirklichkeiten an: „Du musst draußen bleiben“, heißt es vielleicht bald an der Stadtgrenze beispielsweise in Düsseldorf, wohlwissend, dass die belastete Luft nicht am Ortseingangsschild halt macht und komplett in Meerbusch bleibt.
Warum fallen mir gerade jetzt die großen Überseefrachter ein, die mit Schweröl angetrieben werden und genau die Himbeeren frisch aus Chile transportieren, die wir im Januar in den Joghurt rühren wollen? Warum denke ich an die 26-Euro-Flüge nach Venedig, wenn sich Kegelclubs über Gesamtreisekosten von 208 Euro für die Saisonabschlusstour freuen?

Ach, nicht lange nachdenken, nicht jammern, einfach mal zickig werden: Fahr’ ich halt nicht mehr nach Düsseldorf. Kauf ich mir den Anzug halt im Internet. Und den Espresso trink ich zu Hause. Ist sowieso günstiger. Und der Markt auf dem Carlsplatz wird mir egal, Käse gibt’s auch in meiner Heimatstadt. Und dann denke ich, dass ich nicht der einzige dieser Gruppe der Ausgeschlossenen sein werde. Und soll mir keiner sagen, der Öffentliche Personennahverkehr wäre eine Alternative (Taktung, Preise, Zuverlässigkeit, Anbindung ans Land).

Apropos: Natürlich wird es Ausnahmen geben: Die Busse im Nah- und Fernverkehr (oder bleiben die in Meerbusch stehen?), die Liefer-Lkws, die Krankentransporte, die Taxen ..

Wer sich gegen Massentierhaltung, oder Urwald vernichtende Palmölproduktion wehrt, der sollte sich nicht gegen die Vermeidung von Feinstaub wehren. Richtig. Aber ich bin mir sicher, dass es eine andere Lösung geben muss. Eine Lösung, die nicht rund 40 Prozent der deutschen Autofahrer benachteiligt

Und genau da tritt der neue NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) auf den Plan. Er bezeichnet Diesel-Fahrverbote als Lösung aus der Steinzeit (am 11. Juli im WDR5). Und bietet andere Lösungen an: Nachrüstungen am Fahrzeug, finanziert von den Automobilkonzernen, Radschnellwege, attraktiver, mit einer App zu bedienender Öffentlicher Personennahverkehr, Busse mit emissionsarmem Antrieb. So, das ist mal eine Ansage, denke ich. Und dann fallen mir die Neustrukturierungen der Bussysteme in Lindau (Bodensee) und Lemgo ein. Ein Bummel im Internet zu diesen Schlagwörtern lohnt sich.
Was sehe ich unterm Strich? Kurzfristig sind offenbar andere Lösungen möglich, die Feinstaubbelastungen in den Innenstädten zu verringern. Und nicht nach einem pauschalen Dieselverbot zu schreien, weil es gerade in Mode ist.


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