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Endlich eine Zeit fürs Rad

Sichere Wege fürs Rad und eine gute Vernetzung mit dem ÖPNV – nur zwei Wünsche vieler Radpendler. Foto: David.Sch/fotolia.com

Der Kreis Viersen hat jetzt sein Radverkehrskonzept vorgestellt. Dabei geht es nicht in erster Linie um den touristischen Mehrwert, sondern um den alltäglichen Einsatz des Rads. Bürger sind jetzt aufgerufen, ihre Anregungen und Verbesserungsvorschläge mitzuteilen.

Der Text erschien im Extra-Tipp Viersen am 7. Oktober 2018.

 

Kreis Viersen. Ein guter Wert: Für 20 Prozent aller Wege im Kreis Viersen wird das Rad genutzt. Ein eher schlechter Wert: Für eine Strecke von zwei bis fünf Kilometer steigt der Bürger aber lieber ins Auto. Diese Zahlen nannte Kreisdezernent Andreas Budde bei der Vorstellung des Radverkehrskonzeptes. „Das Rad“, sagte Landrat Dr. Andreas Coenen, „ist der Schlüssel zur Mobilität.“ Er betonte, dass das Fahrrad aber nicht das alleinige Verkehrsmittel sein könne, sondern es eher auf eine sinnvolle Vernetzung mit Auto und dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) ankomme.

Jean-Marc Stuhm von der Hildener Planungsgesellschaft Büro stadtVerkehr stellte das Prozedere vor: Grundsätzlich sei eine Bestandsanalyse notwendig. Dazu gehörten neben der bereits durchgeführten Haushaltsbefragung beispielsweise auch die Auswertung von Unfallstatistiken, Berechnungen von Energiebilanz und CO2-Ausstoß und die Bewertung bereits bestehender Konzepte.

„Das Rad ist der Schlüssel.“
Landrat Dr. Andreas Coenen

Auf welchen Wegen könnte der Radverkehr der Zukunft fließen? Helfen Radschnellwege? Wie können Kommunen sinnvoll verbunden werden? Wie gelingt eine so genannte Hierachisierung des Radwegenetzes? Wo muss die Beschilderung ergänzt werden? Wie müssen Ampeln fahrradfreundlich geschaltet werden? Welche Baumaßnahmen müssen dringend eingeleitet werden? Noch sind viele Radwege gefährliche Holperstrecken, noch fehlen sichere Unterstellmöglichkeiten für Räder an Bahnhöfen, noch hat das Auto klar den Vorrang. „Die Infrastruktur weist Mängel auf“, bestätigte Andreas Budde.

Welche – das können Bürger jetzt noch bis zum 31. Dezember auf einer Internetseite des Kreises mitteilen. Hier können kritische Orte genau benannt und sogar entsprechende Fotos eingestellt werden. Die Ergebnisse bilden dann eine Grundlage für eine Mängelanalyse.

Info:
Die Internetseite zur Bürgerbeteiligung erreicht man unter www.buergerbeteiligung.de/radverkehr-kreisviersen

Dazu ein Kommentar:

Führt das Rad auf einen guten Weg!
Keine Frage: Wer in der Freizeit eine Radtour plant, ist im Kreis Viersen sehr gut aufgehoben. Ein tolles Knotenpunktsystem, sichere Wirtschaftswege und viele Einkehrmöglichkeiten laden regelrecht zum Ausflug ein. Ein völlig anderes Bild bietet sich dem Radler, der mit dem Rad zur Arbeit möchte. Die kurzen Wege über die Radwege an der Landstraße werden zum Selbstüberwindungstraining, wer dazu noch auf Bus und Bahn angewiesen ist, hat nach dem ersten Versuch schon keine Lust mehr: Verpasste Anschlüsse, selten intakte Aufzüge an den Bahnhöfen, kein Schutz vor Diebstahl an den Haltestellen und gerade zu den Stoßzeiten übervolle Busse und Bahnen

Der Kreis Viersen will mit seinem Radverkehrskonzept eine Wende einleiten. Das ist löblich. Bürger können ihre Anregungen artikulieren – auch das macht Sinn. Bis es allerdings zur attraktiven Umsetzung kommt, vergeht Zeit. Dabei scheint es, dass es schon nach zwölf ist.
Bleibt zu hoffen, dass die Verwaltung, die vom Ansatz her richtig handelt, sich am Ende nicht selbst im Weg steht – vor allem, wenn es gilt, mutig zu entscheiden, dass das Auto nicht immer Vorrang im Verkehr haben muss. Der Bürger allerdings muss auch liefern. Unbedingt sogar. Eine Kombination zwischen ÖPNV, Auto und Rad ist zur Zeit die richtungsweisende Mobilität. Das zu verinnerlichen, ist vorrangig. Nicht nur am Wochenende.


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