X
| | Nettetal

Wunsch nach Transparenz

Von hier bis zur Steckdose: Der Bagger frisst sich unerbittlich durch das Erdreich. Foto: Claus Weisweiler/ pixelio.de

Im Normalfall wird Ihr Stromversorger auf der Jahresrechnung vermerken, wie groß der Anteil von Kohle in Ihrem „Strompaket“ ist. Schwieriger wird es, wenn man wissen will: Wie viel Braunkohle steckt im alltäglichen Strommix?

Der Text erschien im Extra-Tipp Viersen am 21. Oktober 2018.

 

Kreis Viersen/Nettetal. Spätestens seit den Protesten im Hambacher Forst stellen sich viele umweltbewusste Bürger die Frage, ob sich der Braunkohleanteil im Strommix vermeiden oder zumindest reduzieren lässt. Die Frage brannte auch Christian Küsters, Ortssprecher der Bündnis90/ Die Grünen in Nettetal, auf den Nägeln. Die Stadtwerke Nettetal konnten keine detaillierte Antwort geben. Den Anteil von Kohle – ja, den prozentualen Anteil von Braunkohle daran – nein.

Eine Aufteilung der Kohlearten sei bereits bei den Stromkennzeichnungen des Vorlieferanten nicht enthalten, erhielt Küsters als Antwort. Der Vorlieferant ist die SüdWestStrom mit Sitz in Tübingen – eine Stadtwerke-Kooperation mit fast 60 kommunalen Energieversorgern als Partnern.

„Das hat einen gewissen Charme“, sagt Harald Rothen, Prokurist bei den Nettetaler Stadtwerken, „weil kein Monopolist bedient wird.“ Beispielsweise werde kein Strom der RWE nach Nettetal geliefert. Und doch können die Stadtwerke nicht ausweisen, wie hoch der Braunkohleanteil in ihrem Strommix ist. „Kohle wird als ein Paket ausgewiesen“, erklärt Harald Rothen.

Ändern könnte das der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) erklärte eine Sprecherin der NEW. Das Unternehmen beliefert neben anderen auch die Stadt Viersen mit Strom. Letztlich sei es der politische Wille, hier für mehr Transparenz zu sorgen.

Beide Stromlieferer, sowohl die NEW als auch die Stadtwerke, liegen bei ihrem Kohleanteil im Strommix weit unter dem Bundesdurchschnitt. Auch der Anteil des Stroms aus Erneuerbaren Energien liegt deutlich über dem Bundesdurchschnitt.

Als Christian Küsters seinen offenen Brief in den sozialen Netzwerken postete, erhielt er Widerspruch: Egal, woher der Strom komme, bezahlbar müsse er sein – er erntete zudem auch Hohn und Spott. Dabei liegt die Macht, Transparenz zu wünschen, letztendlich beim Verbraucher.

Dazu ein Kommentar:

Am Ende im selben Boot
Zwei der lokalen Stromanbieter, die NEW und die Stadtwerke Nettetal, weisen daraufhin, dass ihre Kohleanteile im Strommix weit unter dem Bundesdurchschnitt liegen. Auch beim über dem Mittel liegenden Anteil der Erneuerbaren Energien können diese beiden Anbieter punkten. Zudem bieten sie beide Ökostromprodukte an. Alles gut – oder zumindest immerhin

Viele Bürger wollen aber gerade in diesen Tagen wissen, wie hoch der Braunkohleanteil im Strommix ist. Doch darüber gibt es keine Informationen. Kohle – das meint Kohle im Allgemeinen, und deren Anteil wird auch – wie vom Gesetz gefordert – ausgewiesen. Wenn der Verbraucher, zumindest einige, keinen Strom aus Braunkohle kaufen möchte, dann beklagt er zu Recht mangelnde Transparenz. Diese Klarheit kann die Politik auf Bundesebene schaffen und fordern, dass der Braunkohleanteil auf den jährlichen Stromrechnungen ausgewiesen wird

Der politische Wille wird vehement angetrieben durch das Verhalten der Bürger. Letztendlich entscheiden die Verbraucher, was auf dem Markt angeboten wird. Wenn kein Braunkohlestrom gekauft wird, muss man auch nicht nach Braunkohle baggern. Dafür müssen natürlich alle wissen, was drin ist in dem „Stromsack“. Transparenz ist gefordert – und da sitzen alle im selben Boot: Wir Verbraucher und unsere lokalen Stromanbieter.


Kommentare