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Keiner muss frieren

Obdachlose im Vagabundenstatus finden sich bei uns auf dem Land höchst selten. Foto: pixabay.com

Endlich mal Schnee am Niederrhein, endlich frostige Temperaturen. Doch für manche Mitbürger ist der Winter eine besondere Herausforderung. Deutschlandweit gibt es bereits mehrere Kältetote zu beklagen. Wird auch bei uns an die Menschen gedacht, die obdachlos sind?

Der Artikel erschien im Extra-Tipp Viersen am 27. Januar 2019.

 

Kreis Viersen. Einige Meteorologen ahnen, dass der Winter uns nicht so schnell aus seinen Krallen herauslassen will: Temperaturen um und unter dem Gefrierpunkt, bald soll neuer Schnee fallen. Schön, wenn man sich in den warmen eigenen vier Wänden in die Wolldecke kuscheln kann. Was aber, wenn nicht? Stellt für obdachlose Menschen die aktuelle Jahreszeit eine besondere Herausforderung dar?

Der Extra-Tipp fragte in den Städten und Gemeinden im Kreis Viersen nach. Der Tenor: Alle sind vorbereitet, alle können spontan Plätze zur Unterbringung bereitstellen. Die aktuelle Kälte spielt in unseren Kommunen hinsichtlich der Obdachlosigkeit keine bedeutende Rolle

Die Stadt Viersen unterhält beispielsweise eine Übernachtungsstelle an der Josefskirche. Ab 20 Uhr findet man hier eine Schlafstelle für die Nacht. Dies sei eine Notunterkunft für allein stehende Menschen, die ihre Wohnung verloren haben und einen vorübergehenden Wohnplatz suchen, für Menschen, die auf der Straße leben und/ oder auf der Durchreise sind, heißt es auf der Internetseite der Stadt. „Insbesondere bei den aktuell herrschenden Minusgraden bittet die Stadt Viersen alle Bürgerinnen und Bürger darum, Menschen, die draußen angetroffen werden und dort übernachten wollen, anzusprechen und auf die Möglichkeit der Übernachtung in der städtischen Übernachtungsstelle hinzuweisen“, teilte die Stadt mit

„Wir kennen aktuell eine Person, die draußen bleiben will“, sagt Diplom-Sozialpädagogin Renate Klumpen vom SKM Kempen-Viersen, dem Katholischen Verein für soziale Dienste. Sie weist darauf hin, dass es aufgrund der Situation auf dem Wohnungsmarkt immer schwieriger wird, Wohnraum für obdachlose Menschen zu finden. Der SKM ist die zentrale Beratungsstelle für Menschen ohne Wohnung und ist in Viersen und Kempen vor Ort (02162/ 32515)

Ausreichend Kapazitäten für den Notfall sind in Nettetal vorhanden. In der Unterkunft in Kaldenkirchen sind derzeit 15 Personen mit einer Wohnungsadresse gemeldet, weitere zwölf Menschen ohne Wohnung sind dort ebenfalls untergebracht. „Keiner, auch keine Familie, muss draußen übernachten“, stellt Stadtsprecher Jan van der Velden klar

„Jeder, der kommt, wird aufgenommen“, sagt Marc Diede, Leiter für soziale Leistungen und Wohnen in Schwalmtal. Die Gemeinde unterhält ein ehemaliges Einfamilienheim, um Obdachlosen ein Dach über dem Kopf zu ermöglichen. Derzeit zählt Schwalmtal offiziell sechs Obdachlose.

14 sind es aktuell in Brüggen. „Hauptsächlich führen private Schicksalsschläge oder Mietrückstände in die Obdachlosigkeit“, erklärt Björn Beeren, Teamleiter für Asyl und Obdach.

Auch in Niederkrüchten (aktuell sechs Menschen ohne Obdach) stellt der Winter die Gemeinde vor keine besondere Herausforderung. „Wir haben keinen aktuellen Handlungsbedarf“, sagt Hermann-Josef Bonus. Außerdem stünden geeignete Räume zur Verfügung.

Info:
Obdachlos sein heißt, keinen festen Wohnsitz zu haben und im öffentlichen Raum, im Freien oder in Notunterkünften übernachten zu müssen.


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