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Ernte mit blauem Auge

Das sieht gar nicht gut aus: Der Mais hat definitiv zu wenig Wasser abbekommen. Foto: Uli Rentzsch

Alle Bundesländer außer Rheinland-Pfalz und dem Saarland möchten das Hilfsprogramm von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner in Anspruch nehmen. Wegen der langanhaltenden Dürre in diesem Sommer hatte sie am vergangenen Donnerstag den nationalen Notstand ausgerufen.

Der Text erschien im Extra-Tipp Viersen am 26. August 2018.

 

Kreis Viersen. Bundesweit seien 10.000 Höfe in ihrer Existenz bedroht. Bund und Länder planen nun, finanzielle Hilfen in Höhe von 340 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Schon im Vorfeld hatte Ursula Heinen-Esser, Landwirtschaftsministerin in NRW, gesagt: „Das Land ist bereit, sich an gemeinsamen Hilfsmaßnahmen zu beteiligen.“ Ziel müsse es sein, den unmittelbar in ihrer Existenz bedrohten Betrieben zu helfen.

Dem stimmt auch der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Krefeld-Viersen, Paul-Christian Küskens, zu: „Insgesamt haben wir hier im Kreis ein sehr schwieriges Jahr, existenzbedrohend sind wir aber Gott sei Dank nicht getroffen.“ Vereinzelt gäbe es jedoch auch bei uns Betriebe, die große Ausfälle zu beklagen haben und denen das Hilfsprogramm nutzen wird. „Für viele wird sich erst im nächsten Winter herausstellen, ob sie die 30 Prozent-Grenze überschreiten“, blickt Küskens in die Zukunft. Nämlich dann, wenn Futter beigekauft werden muss, das aufgrund der Dürre jetzt ausfällt. „Heu und Stroh ist schon jetzt deutlich teurer.“

Speziell für unsere Region hofft Küskens jedoch langfristig auf andere Hilfen. In die Forschung neuer dürrebeständiger Sorten müsse investiert und eine Versicherungsmöglichkeit geschaffen werden, die gegen solche Wetterereignisse absichert. Auch intelligente Bewässerungssysteme brauche es. Und: „Wir brauchen als Verband die Möglichkeit, eine steuerfreie Risikorücklage bilden zu dürfen, die wir in Zeiten wie diesen anzapfen dürfen. Dafür kämpfen wir als Landwirtschaftsverband.“

„Wir brauchen die Möglichkeit, eine steuerfreie Rücklage zu bilden.“

Paul-Christian Küskens

Peter van den Broek von der Ortsbauernschaft Brüggen betrachtet das Hilfsprogramm eher kritisch: „Ich bezweifle, dass Gerechtigkeit herrschen wird.“ Er selbst baut Spargel, Kartoffeln und Erdbeeren an – Tiere, die gefüttert werden müssen, hat er nicht. Doch hat er einen solch erheblichen Mehraufwand betreiben müssen wie nie zuvor.

„Die Kosten für die Bewässerung müssen im Nachhinein auch bezahlt werden“, betont van den Broek. „Was da auf mich zukommt, kann ich so noch nicht sagen.“
Andreas Wolfers, Vorsitzender der Lobbericher Ortsbauernschaft, bestätigt Einbußen im Futterbau (Mais und Gras) von teilweise bis zu 50 Prozent. Den Landwirten fehlten zwei bis drei Schnitte. „Weniger Futter bedeutet, dass wir die Kühe nicht richtig satt bekommen. Sie geben dann weniger Milch“, sagt er. Nun müsse Energie zugekauft werden.

Getreide und Kartoffeln seien nicht so stark betroffen, auch wenn hier Einbußen verkraften werden müssen. „Es hängt davon ab, wie oft und wie viel beregnet werden konnte“, erklärte Wolfers. Und: „Wir haben die Äcker von unseren Eltern bekommen und möchten sie an die Kinder weitergeben. Deshalb achten wir auf unsere Äcker.“


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