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Neil Young wünscht sich Top-Qualität

Reduzierung. Da haben wir uns etwas Schönes eingebrockt. Schön, weil doch einige da draußen sich Gedanken machen. Sie sagen: Lasst uns nicht mehr so viel produzieren, dann müssen wir es auch nicht entsorgen. 

 

Zumindest lasst uns alles so produzieren, dass wir es wiederverwerten können. Dennoch vermehren sich diese Menschen, die sich solche Gedanken machen, nur sehr, sehr langsam. Die anderen sitzen vor dem Fernseher und schauen sich an, wie ein Repair-Café funktioniert. Guck mal, ein Waldschrat, merken sie an, doch ihr Ruf verhallt in den Tiefen der Chipstüten.

Genug Polemik. Neil Young, Sie kennen den amerikanischen Liederschreiber und Sänger möglicherweise, möchte auf einem ganz anderen Feld die Reduzierung stoppen. Die Idee des Musikers: Ein Abspielgerät für Musik in besonders hoher Qualität zu bauen. Das hat mehr Interesse geweckt als erwartet. Rund 6,2 Millionen Dollar von über 18.000 Geldgebern sind zusammengekommen. Offensichtlich haben nicht alle „Bock“ auf mp3 oder was da sonst noch auf den Boden der Qualität herunterkomprimiert wird. Mit Fotos scheint ein ähnlicher Prozess im Gange zu sein. Hauptsache, man kann auf den Mini-Bildschirmen der Smartphones gerade noch erkennen, dass Ilse vor dem ... ist das überhaupt Ilse?

Vermuten wir einmal, dass der Sinn dieser Komprimierung ist, alles versenden, verschicken, eben in einer virtuellen Datenwolke teilen zu können. 140 Zeichen müssen reichen, wenn man über Twitter seinem Freund den Grund für die Trennung erklären möchte.

Reduzierung? Schön, wenn es den Müll betrifft. Nicht gut, wenn Qualität auf der Strecke bleibt. Und seien Sie ehrlich: Wann haben Sie zum letzten Mal eingeladen, Ihre Schallplattensammlung vorführen zu dürfen?


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