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Faire Preise für die Milch

Jan Wolfers, Martina Maaßen (MdL) und Andreas Wolfers (von links) diskutierten die fallenden Milchpreise. Foto: Uli Rentzsch

Die Milchpreise purzeln und purzeln. Der Verbraucher mag sich freuen, doch auf die Landwirte wirkt der Preisverfall wie eine Lohnkürzung. Jetzt startete die Landtagsfraktion von Bündnis 90/ Die Grünen (insgesamt 29 Landespolitiker) eine Ausschwärm-Aktion: Martina Maaßen (MdL) wählte den Lobbericher Wolfers-Hof Im Bocholt aus, um sich umfassend zu informieren.

 

Lobberich. Landwirtschaftsmeister Andreas Wolfers hält auf seinem Hof 200 Kühe. Rund 1,5 Millionen Liter Milch wurden 2015 in dem Milchviehbetrieb produziert. Die Milchquote wurde abgeschafft, seit dem 1. April 2015 können Milcherzeuger unbegrenz produzieren und anliefern. Das Resultat: Es ist zu viel Milch auf dem Markt, der Literpreis sinkt.

Das bringt Andreas Wolfers in eine Zwickmühle. Eine Reduzierung der Milchmenge bundesweit würde den Preis möglicherweise wieder nach oben schrauben, aber Wolfers muss Milch produzieren. "Wir müssen unsere Verbindlichkeiten und Verpflichtungen erfüllen", sagt er, "an nicht gelieferter Milch verdiene ich nichts." Also produziert er Milch, die er verkaufen muss. Wobei die Betonung sicherlich auf dem "muss" liegt. Derzeit erzielt Wolfers knapp 25 Cent für einen Liter Milch, fair wären mindestens 35 Cent. "Auch wir haben das Recht, weiterzukommen", sagt der Landwirt. Man habe investiert und wolle das auch in Zukunft tun. Doch wenn der Preisverfall fortschreite, verliere man mit der Zeit auch seine Unabhängigkeit. Er zieht ein ebenso nüchternes wie erschreckendes Fazit: "Der Bauer stirbt langsam."

Ein moderner Kuhstall: jede Milch produziert rund 30 Liter Milch am Tag. Foto: countrypixel/ fotolia.com

Möglich sei eine Übereinkunft der Milcherzeuger, die Produktionsmenge angemessen zu bremsen, meint Andreas Wolfers. Doch es sie nicht zu erkennen, dass viele Kollegen an einem Strang ziehen wollen. Ein internationaler Vergleich verdeutlicht das Problem: In Deutschland wurde die Produktion nach dem Wegfall der Milchquote um 3,5 Prozent gesteigert, in den benachbarten Niederlanden um 14 Prozent.

Martina Maaßen und ihre 28 Fraktionskollegen besuchten jetzt Bauernhöfe in ganz NRW. "Eine angemessene Reduzierung macht Sinn", sagte sie während des Besuchs auf dem Wolfers-Hof, "wer sich strukturell verändert, beispielsweise Bio-Milch produziert, sollte auch von einer Subventionierung profitieren." Allerdings stimmte sie zu, als Wolfers betonte, dass sowohl die konventionelle als auch die Bio-Produktion ihre Berechtigung hätten. Fest steht: "Milch darf nicht verramscht werden", sagte Maaßen. Angesichts der miserablen Preise haben zahlreiche Betriebe im vergangenen Jahr aufgegeben." Und: "Es ist absehbar, dass weitere diese Krise nicht überleben." Gerade bäuerliche Betrieben bräuchten jetzt Unterstützung. Kurzfristig müsse die Milcherzeugung reduziert werden, damit sich der Milchmarkt wieder stabilisieren könne. Martina Maaßen geht es vor allem um eine bessere Wertschöpfung nicht nur dieses wichtigen Lebensmittels. "Anstatt immer mehr immer billiger zu produzieren, muss die Landwirtschaft auf Qualitätsprodukte wie beispielsweise Bio- oder Weidemilch setzen", schlägt Martina Maaßen vor. Die Verbraucher zu mobilisieren und bestärken, Markenartikel zu kaufen und auf Bio-Produkte umzusteigen, das wäre ein gehbarer Weg, sagte Maaßen.

Eine wichtige Rolle spielen natürlich auch die Molkereien und der Lebensmittelhandel. Gerade der Supermarkt oder der Discounter streiten sich um jeden Kunden und führen einen gnadenlosen Preiskampf - derzeit mit dem Milchpreis. Martina Maaßen bezeichnet die Position des Lebensmittelhandels als komfortabel. "Diese Situation nutzen sie aus", sagt die Politikerin der Grünen. Es sei zu viel Milch auf dem Markt, also könnten die Preise gedrückt werden. Da aber auch die Molkereien in Konkurrenz stehen, bieten sie günstige Literpreise an. Am Ende der Kette steht der Milchbauer. "Ein Cent macht schon sehr viel aus, gerade für uns Landwirte", sagt Andreas Wolfers.

Wolfers' Sohn Jan schaute in die Zukunft: "Es ist ganz wichtig, dass wir unsere Öffentlichkeitsarbeit verstärken, damit die Verbraucher sehen, wie Milch produziert wird." Profitiert habe auch der Wolfers-Hof von der letztjährigen Höfe-Tour, der hauptsächlich entlang Nettetaler Höfe führte. Die Gäste hätten dort neben anderem auch erfahren, wie Milch produziert wird. In diesem Jahr (2016) fand die Höfe-Tour am Sonntag, 29. Mai, in Tönisvorst statt.

Der Artikel erschien im StadtSpiegel vom 25. Mai 2016.


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