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Ein letztes Prost auf die Kneipe?

Kommunikation und Getränk – die Sehnsucht nach Gemütlichkeit am vergangenen Montag in der Ratsstube. Foto: Uli Rentzsch

Nette Vertell und ein Bierchen dazu, Kommunikation und Getränk,  – diese Art der Freizeitbeschäftigung in einer Gaststätte scheint nicht mehr „in“ zu sein. Ist es nur eine Momentaufnahme, oder geht man wirklich immer seltener in die Kneipe?

 

Lobberich. Samstagabend. Mit dem Freund endlich wieder mal unterwegs. Lecker gegessen in Hinsbeck, es ist inzwischen 22.30 Uhr. In Lobberich noch ein Bierchen trinken, das ist der Plan. Wir wählen den Weg in die Innenstadt. Erster Versuch, 23.05 Uhr: Gaststätte geschlossen. Zweiter Versuch, 23.10 Uhr: Man stellt gerade die Stühle auf die Tisch, reinigt die Zapfhähne, winkt durchs Fenster: Geschlossen. Dritter Versuch, 23.15 Uhr: Auch hier die Stühle bereits auf dem Tisch, aber da noch zwei Gäste an der Theke stehen, will man uns nicht abweisen. Vierter Versuch, 23.45 Uhr: Gaststätte geöffnet, noch weitere vier Gäste.

Kneipensterben in Lobberich? Das hätte dann „multikausale Ursachen“, sagt Thorsten Hellwig, Pressesprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes NRW: „Die Nachfrage hat sich geändert, es gibt weniger Kneipengänger, die Auflagen steigen, mehr Bürokratie. Die Kombination Getränk/ Kommunikation kann aber als Nischenangebot durchaus noch funktionieren.“ Gleichzeitig betont Hellwig, dass die Gäste eher Events als den regelmäßigen Besuch in der Eckkneipe bevorzugen.

Gerade wurden die GEMA-Gebühren für gastronomische Betriebe bis 100 Quadratmeter Raumgröße von jährlich 185,80 Euro auf 194,90 Euro erhöht. 9,10 Euro im Jahr - aber es komme eben eines zum anderen, sagt Hellwig.

Wenn eine Wirtschaft schließt, findet sich oft kein Nachfolger. „Es ist schließlich eine verdammt harte Arbeit“, sagt ein Wirt (Name der Redaktion bekannt), da kämen 70 bis 80 Wochenstunden problemlos zusammen, die Betriebskosten seien hoch, man müsse schon einige Reserven haben. Und: Den Gästen säße das Geld längst nicht mehr so locker wie früher in der Tasche.

Info:
„Die Stadt legt der Gastronomie keine Steine in den Weg“, sagt Jan van der Velden, Pressesprecher der Stadt, „wir setzen nur um, was im Sinne der Verbraucher umgesetzt werden muss.“ Gemeint seien beispielsweise Belange der Sicherheit und des Jugendschutzes.

Der Artikel erschien im StadtSpiegel am 27. Januar 2016.


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