X
| | Nettetal

Ein ganzer Saal gegen Dezernent Budde

Volles Haus in der Kaldenkirchener Gaststätte „Zur Mühle“: Die Bürgerinitiative „VeNeTe – So nicht!“ hatte zur zweiten Informationsveranstaltung eingeladen. Foto: Uli Rentzsch

Auch zur zweiten Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative „VeNeTe - so nicht!“ kamen am 11. Januar erneut rund 500 Zuhörer in die Kaldenkirchener Gaststätte „Zur Mühle“.

Der Text erschien im Extra-Tipp Viersen am 14. Januar 2018.

 


Kaldenkirchen /Kreis Viersen. Ziel der Initiative ist es, das geplante Wertstoff- und Logistikzentrum (WLZ) im Gewerbegebiet VeNeTe zu verhindern. Der Abfallbetrieb Viersen (ABV) will das WLZ in Kaldenkirchen errichten.

Der wohl entscheidende Satz fiel gegen 21.05 Uhr: Andreas Budde, Dezernent des Kreises Viersen für Bauen und Wohnen und Betriebsleiter des ABV, sagte: „Wir werden die Anlage bauen, und wir werden den Betrieb ausschreiben.“ Fast wäre dieses Statement vom Publikum unbeachtet geblieben, doch Detlev Saage, Moderator der Veranstaltung, hakte nach. Die Kaldenkirchener müssten jetzt noch mehr kämpfen. Pressesprecher Claus Albrecht forderte den ABV auf, Gespräche mit der EGN, dem Betreiber der Süchtelner Anlage, wieder aufzunehmen. Vorher hatte die Initiative in mehreren Kurzvorträgen zu verdeutlichen versucht, dass die in Kaldenkirchen geplante Anlage keineswegs wirtschaftlich sei, dass Unternehmen sich nicht in Gegenwart einer solchen Müllumladestation im Gewerbegebiet ansiedeln wollten und dass die Möglichkeit einer Rattenplage gegeben sei. Nettetals Bürgermeister Christian Wagner hatte betont, dass man weiter das Gespräch suchen wolle, um doch noch eine alternative Lösung, beispielsweise die über 2024 hinausgehende Nutzung der Anlage in Süchteln, zu finden.
Andreas Budde hatte erwartungsgemäß einen schweren Stand. Seine Argumente ernteten mehrfach höhnisches Gelächter.

Die Stimmungslage ist eindeutig: Kein WLZ!

Eine Überraschung, einen richtigen Clou, brachte Claus Albrecht, Pressesprecher der Bürgerinitiative „VeNeTe - So nicht!“ mit. Er las ein Schreiben der EGN, Betreiber der Süchtelner Wertstoff- und Umladestation, vor, das die Initiative kurz zuvor erhalten hatte. Daraus ging hervor, dass der Vertrag zur Mitnutzung der Anlage durch den Kreis Viersen nicht befristet sei. Vorher hatte es geheißen, dass der Kreis nach dem 31. Dezember 2024 die Süchtelner Anlage nicht mehr nutzen könne. Albrechts Schlussfolgerung: eine Anlage in Kaldenkirchen sei also nicht notwendig. Laut Schreiben der EGN sei eine Wirtschaftlichkeit der geplanten Kaldenkirchener Anlage nicht gegeben. Die Einschätzung der EGN: keine Kosteneinsparung, von der die Bürger einen Nutzen ziehen könnten. Das Schreiben der EGN brachte Andreas Budde, Betriebsleiter des ABV, in die Defensive. Er versuchte zu erläutern, dass nach heutigem EU-Vergaberecht auch eine solche Klausel nicht mehr zu halten sei

Das Kaldenkirchener Publikum forderte Andreas Budde, aber auch Nettetals Bürgermeister Wagner und die Stadtverordneten mehrfach heraus. Wagner beispielsweise wurde gefragt, ob er sich an die Spitze eines Sternmarsches stellen würde. Wagner antwortete, dass es besser sei, im Gespräch zu bleiben als sich in Sternmärschen gegenüberzustellen.
Fast ins Absurde ging die Forderung eines Bürgers, die Nettetaler Stadtverordneten mögen aufstehen und sich zeigen, damit man wisse, wen man demnächst nicht mehr wählen könne. Dabei entscheidet nicht der Nettetaler Stadtrat über das WLZ, sondern der Kreistag. Das hatte Hajo Siemes von der WIN-Fraktion bereits deutlich gemacht, Kaldenkirchens Ortsvorsteher Ingo Heymanns, Nettetaler Ratsherr und Kreistagsabgeordneter, und Bürgermeister Wagner dies nochmals bestätigt

Zunächst einmal muss ein Antrag einer Fraktion vorliegen, damit sich der Kreistag noch einmal mit dem WLZ beschäftigt. Wie dann die Abstimmungsverhältnisse liegen, wisse er nicht, sagte Wagner, aber er sei zuversichtlich, in den Gesprächen nach einer Alternative suchen zu können. Doch diese Aufforderung aus dem Publikum verdeutlichte die Stimmungslage in Kaldenkirchen. Man will das WLZ nicht. Punkt. Detlev Saage, Moderator des Abends, versuchte mehrfach, die Wogen zu glätten. Er betonte, dass die Bürgerinitiative weiter arbeiten würde und auch müsse. Inzwischen seien über 5.000 Unterschriften gegen das WLZ gesammelt worden. Man habe erreicht, dass die Meinung der Politik sich in vielen Bereichen gedreht habe. Der Beifall des Publikums war ihm gewiss. „Wir müssen versuchen, die Gutachten des Kreises anzufechten“, nannte er als ein nächstes Arbeitsziel der Initiative.


Kommentare